Sonntag, 18. Januar 2009

Schreiende Stille (#7): Das kleine Werber-Einmaleins


Aha - jetzt also "unverfälscht". Und die letzten 20 Jahre?

Mittwoch, 19. November 2008

Fundstücke #2: Thomas Jefferson über Banken


I believe that banking institutions are more dangerous to our liberties than standing armies. If the American people ever allow private banks to control the issue of their currency, first by inflation, then by deflation, the banks and corporations that will grow up around [the banks] will deprive the people of all property until their children wake-up homeless on the continent their fathers conquered. The issuing power should be taken from the banks and restored to the people, to whom it properly belongs.

Source: Thomas Jefferson*, Letter to the Secretary of the Treasury Albert Gallatin (1802)
*: 3rd president of US (1743 - 1826)

Dienstag, 11. November 2008

Fundstücke #1: Kurt Tucholsky über Banken



Wenn die Börsenkurse fallen,

regt sich Kummer fast bei allen,

aber manche blühen auf:

Ihr Rezept heißt Leerverkauf.



Keck verhökern diese Knaben
Dinge,
die sie gar nicht haben,

treten selbst den Absturz los,

den sie brauchen - echt famos!



Leichter noch bei solchen Taten

tun sie sich mit Derivaten:

Wenn Papier den Wert frisiert,

wird die Wirkung potenziert.



Wenn in Folge Banken krachen,

haben Sparer nichts zu lachen,

und die Hypothek aufs Haus

heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft's hingegen große Banken,

kommt die ganze Welt ins Wanken
-
auch die Spekulantenbrut

zittert jetzt um Hab und Gut!



Soll man das System gefährden?

Da muss eingeschritten werden:

Der Gewinn, der bleibt privat,

die Verluste kauft der Staat.



Dazu braucht der Staat Kredite,

und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land

die Regierung in der Hand.



Für die Zechen dieser Frechen

hat der Kleine Mann zu blechen

und - das ist das Feine ja
-
nicht nur in Amerika!



Und wenn Kurse wieder steigen,

fängt von vorne an der Reigen
-
ist halt Umverteilung pur,

stets in eine Richtung nur.


Aber sollten sich die Massen

das mal nimmer bieten lassen,

ist der Ausweg längst bedacht:

Dann wird bisschen Krieg gemacht.

Quelle: Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht in 'Die Weltbühne'

Montag, 30. Juni 2008

Rampensau #7: Echte Rockstars


Es waren die Zeiten von Charly 2000 und anderen mobilen Diskotheken, die über die Lande tourten, als mich KISS Anfang der 80er als 13-Jähriger dazu bewegten, meine Akustik-Gitarre gegen eine elektrische Framus (im Nachbau einer Gibson Les Paul) einzutauschen. Es war der Moment, in dem ich das „Beatles Complete“-Notenheft für einige Jahre in die Ecke legen sollte und die Abba-Platten, die mir meine Mutter geschenkt hatte, zu verstauben begannen. Meine zart-gezupften Sept-Akkorde wurden von Barre-Griffen abgelöst; der Fokus stand von nun an auf Rhythmus-Geschrabbel, angewürzt mit zweier in Reihe geschalteter Verzerrer (Distortion und Overdrive) der Marke Boss. Und das sollte einige Jahre so bleiben: Glam Rock galore.
Als Freund Karl vor einigen Monaten mal wieder eine E-Mail verschickte „Wer geht mit zu...“, überlegte ich dieses Mal keine Minute, im ein „Yep“ in die Mail zu stellen. Den Youtube-Link aus der Mail zur Tour-Eröffnung in Melbourne musste ich gar nicht anschauen. Es gibt eben Bands, da muss man einfach hin. Ich entscheide da nach folgenden Prinzipien: Historische Tragweite (Megadeth in 2005), Einflussnahme auf ganze Generationen von Bands (eben KISS) oder oft auch „die muss ich nochmals live sehen, bevor sie möglicherweise nicht mehr leben“ (Motörhead). Da KISS in den letzten Jahren nicht unbedingt zu meinem aktiven Musik-Sprachwortschatz gehört haben, habe ich in den letzten Wochen viele Alben hoch und runter gehört. Und dann immer ein anerkennendes „wow, cool“ als ich erzähle, dass ich auf KISS gehe. Interessanterweise auch von vielen Leuten, die in ganz anderen Genres – von Elektro, über Biedermann-Pop bis NY Hardcore - zuhause sind.
Abfahrt Freiburg ist 18h – Zielort Zürich. Tja, und dann stelle ich fest, dass KISS live quasi unbeschreiblich sind. You want the best, you got the best, the hottest band in the world. Kiss. Showman-Factor Five. Schaut mal auf youtube unter Stichwort "Lovegun" - der schwebende Paul...

Sonntag, 15. Juni 2008

Ted 2.0 (#4): Ein Ei, Sir!


Ich freue mich, wenn ich zum Papa gehe immer auf das Frühstück. Denn da gibt es meistens leckere Frühstückseier. Nur ganz, ganz selten, sind sie nicht perfekt. Aber meistens schmecken die soooo gut. Früher dachte ich, sie schmecken so gut, nur weil sie der Papa gekocht hat. Wenn ich woanders Frühstückseier esse, ist es oft so, dass das Ei zu hart oder aber zu weich ist. Das weichste Ei – wahrscheinlich wurde es roh serviert – bekamen wir in einem Cafe im Stühlinger. Wir bestellten ein neues Ei – das wiederum war viel zu hart. Ein noch härtestes Ei – ich hielt es zunächst für einen Stein - bekam ich im Hotel Engel am Bodensee serviert. Mein Papa macht echt suuper Frühstückseier. Aber von mir weiß er , dass nur Eier mit einer Null drauf von Hühnern stammen, die wirklich tiergerecht gehalten werden. Das habe ich bei einer Führung im Ausgustiner-Museum erfahren. Wusstet Ihr übrigens, dass das größte Vogel-Ei das Straußen-Ei ist?

Montag, 12. Mai 2008

Lasche Geschichten #5: Slow Life

Heute fand ich einen Flyer, den Freund A. und ich mit ca. 17 Jahren in einer Auflage von 100 Stück in unserer Heimatgemeimeinde quasi viral zirkulieren ließen. Selten fiel mir eine Einordnung eines Textes leichter... diese kleine Geschichte ist wirklich lasch. Gäbe es diese Ted-Rubrik noch nicht, ich hätte sie heute eröffnet:

Uwe Müller lag eines Tages auf dem Boden. Uwe Müller senior, sein Vater, schaute ihm dabei zu; so schien es jedenfalls. In Wirklichkeit war dem nicht so, er schlief. Seine Mutter, Ralf Müller, schlief ebenfalls, mit geschlossenen Augen. Liebäugelnd, wie es nun man seine Art ist, Schritt Hans Meyer hinzu. Seines zeichens leidenschaftlicher Fotograf und Yachtbesitzer. In der Kneipe nebenan klingelte das Telefon schrill.

Sonntag, 4. Mai 2008

Schreiende Stille (#6):Weiter, weiter – immer weiter



Wenn man selbst von Menschen auf die „Wölfe“ angesprochen wird, in deren Anwesenheit ich seit Jahren das Thema Eishockey aus Anstand ausgeblendet hatte, muss etwas passiert sein. Sportlich sind die „Wölfe“ im Halbfinale an Primus Tölz per Sweep gescheitert; es spricht jedoch fast alles dafür, dass in der Franz-Siegel-Halle in der kommenden Saison wieder Zweitligahockey stattfindet. Der Viertelfinalsieg im Spiel 7 nach 1-3 Serienrückstand vor über 4.000 Zuschauern hat dem Verein und den Fans nach Jahren der blutleeren-freitag-sonntäglichen Erfolglosigkeit die Ehre zurück gegeben. Alles was diesen Sport ausmacht, bekam man zu sehen; und zeichnete endlich einmal eine Freiburger Equipe – sonst traditionell als Sterbende in Schönheit bekannt – aus. Ich persönlich war mitten im Medienhype, den wir mit unserem badisch-schnuckligen Medienmonopol gefahren haben (bei meinem Arbeitgeber gibt es wohl mehr EHC-Sympathisanten als bei den Wölfen selbst). 10 Jahre zurück haben wir – die publizistischen Hype-Protagonisten von heute – noch im Auftrag des Vereins erforscht, woher die Zuschauer kommen und ob nun 18h oder 18.30h die ideale Zeit für das sonntägliche Eröffnungsbully sein mag. Noch heute ist diese „Studie“ übrigens in den Top 10 Treffern, wenn man z.B. meinen Namen googelt. Endlich mal wieder eine Mannschaft, die man mag, ja seit dem Hannover-Krimi liebt. Strukturell ist es eher schwierig; das Stadion ist eine Hundehütte (ich empfehle allen Toilettengängern eine Typhus-Impfung) und mittelfristig wird es nicht nur um mehr oder weniger „luxuriös“ gehen, sondern um Einsturzgefahr. Naja, in weiteren 10 Jahren wird ja die neue Cortina des Verlags abgezahlt sein. Und vielleicht werden ja die Menschen, die vor 10 Jahren Meinungsumfragen für den EHC gemacht haben, dafür sorgen, dass es heißt: „Get ready to rumble“; im fudder-Tank im Eisstadion in der Baslerstraße 88. Zukunftsmusik. Heute gilt „weiter, weiter – immer weiter“, genießen wir erst einmal das Hier und Jetzt. Oder: No sorrows, no regrets, no past, no future, the present is enough for me. (...) Le bel aujourd’hui (Henry Miller, Topic of Cancer).

Montag, 7. April 2008

Schreiende Stille (#5): Patrick Süskind - Sweet Child o' Mine


Hä? Ich gebe zu: mir geht es darum, bei Google gut gefunden zu werden; von daher diese, sagen wir, populistische Überschrift. Ich kann den Google-Robots aber beweisen, dass die Headline nicht nur suchmaschinenfreundlich ist, sondern auch zum Text passt. Aus Headline mache Hookline und schon sind wir beim Thema: ich lese gerade Slash’s Autobiografie (sehr lesenswert, und das sagt jemand, der kein Guns-Fan ist) und dachte mir, zur Feier des Tages sollte ich mal wieder meine gute alte Les Paul vom Ständer holen. Und welche Guns and Roses-Hookline ist a) einprägsam und b) für einen 3-Akkorde-Gitarrero wie mich innerhalb von Minuten erlernbar. Richtig: das Intro von Sweet Child o’ Mine. Wer mich bald mal besuchen kommt, dem kann ich es gerne vorspielen, tabcrawler.com sei dank; ist wahrscheinlich das Letzte, was ich vor meinem 37ten Geburtstag gelernt habe. Und ach ja – liebe Leser und Google-Robots: wenn ich die Slash-Autobiografie heute Abend fertig gelesen habe, werde ich den „Kontrabaß“ aus dem Bücherregal holen. Hm, irgendwo zwischen Glam-Rock und dem Protagonisten Patrick Süskinds, das ist der Ted.

Freitag, 21. März 2008

Ted 2.0 (#3): Alles Käse

Kauende Infos vom Rücksitz: "Irgend jemand isst immer gerade ein Käsebrot!"

Sonntag, 13. Januar 2008

Alltagsimpressionen #3: Wo wohnt der Ted?





Über die Weihnachtstage erhielt unser eher kühl-karges Treppenhaus individuelle Noten der jeweiligen Bewohner. Die Bilder zeigen neben dem Eingang zu meiner Wohnung die Türen zu den Wohnungseinheiten links und rechts. Ich bin gespannt, ob Ihr das Rätsel lösen könnt: Wo wohnt der Ted?

Samstag, 29. Dezember 2007

Alltagsimpressionen #2: Oh Heimat




Nach genau 2 Stunden in meinem Heimatort wurde mir klar, warum es mich von dort mit 19 Jahren wegzog. Mein Parkieren war zwar nicht die reinste Wonne - den Führerschein hätte ich aber damit bestanden. Weder zweite Reihe noch vor einer Aus- oder Einfahrt.

UPDATE: TedBlog-User Denzy hat mir sein Bild zum Thema gemailt (siehe unteres Bild). Er hingegen gibt zu, tatsächlich im wildwest Style geparkt zu haben.

Dienstag, 25. Dezember 2007

.de/sign #5: Ade Subversion


Designer waren Ende der 70er Jahre aus meinen Augen betrachtet Exoten. Aber nach Meinung der Menschen in der Schwarzwälder Provinz immer noch besser (wenngleich nicht viel) als linksradikale Terroristen. Ja, auch die gab’s in einer Region, in der das Automobil, die Funkuhr, der Kupferstich und die Kehrwoche erfunden wurden. Die Designer waren ziemlich ok und meine Schulfreunde fanden es klasse, dass man diese Leute da duzen durfte, mit ihnen Tischtennisspielen und zusehen wie sie ihre "Bilder" malten. Neben Kunden – man erkannte Sie an den Anzügen – kamen immer wieder Freunde aus den angrenzenden Disziplinen Malerei, Bildhauerei und Architektur vorbei. Also alles sehr bohemian und etablierte Schaffer und Häuslebauer suchte man vergebens, maximal schaute mal ein Stahlstichgraveur vorbei.

Diese Note Subversion gab es bis in die 80er hinein. Design etablierte sich dann über die Jahre in diesem Mikrokosmos. Dies erkannte man an mehreren Aspekten: zum einen gewannen italienische und süddeutsche Sportwagen auf dem frog-Firmengelände die Oberhand gegenüber den rostlaubigen CV 2, R 4 und Audi 50 aus den 70ern. Und Ortsverbände zu den verschiedensten Themen klingelten immer öfters an der Haustür und fragten nach Geld- und Sachspenden für soziale Einrichtungen, Schulen oder Sportplätze (vorher waren es nur der Honigverkäufer, mein Freund Michael oder der Milchmann). Ende der 80er kam dann endgültig der Wandel in der gesellschaftlichen Hackordnung im beschaulichen Altensteig. Und für mich war es persönlich ein Schlag ins Gesicht, als ich folgende Annonce im lokalen Anzeigenblatt las: „Vermiete großzügige 3-Zimmerwohnung, gerne an Designer“. Ade Subversion...

Rampensau #6: Das Mädel mit Spunk



Wenn man im Schwarzwald eine Live-Band serviert bekommt, noch dazu in einem absoluten Mainstreamladen, der nur Erfolg hat, weil es im Ort keine Alternativen gibt, sind die Erwartungen nicht sehr hoch. Hmmh, vielleicht ist der Laden ja aber genau deshalb so erfolgreich, weil er eben mainstream ist. Jedenfalls tummeln sich hier Gruppierungen, die sich ansonsten in einer Stadt ab sagen wir mal 20.000 Einwohnern eisern aus dem Weg gehen würden. Die Jacky-Cola-Jungs am Tresen mit ihren schwarzen Lederhosen und schwarzen T-Shirts, auf deren Rückseite vor 20 Jahren wahrscheinlich die aktuelle Iron Maiden Tourdaten gestanden haben. Heute wären sie damals auch in der Rockfabrik gewesen an einem solchen Abend. Außer dem “drunken Clan” von Ex-Metallern finden sich ein Füllhorn von 80er-Popperfrisen, stone-washed Jeanstypen und die eine oder andere Schönheit vom Lande. Der Laden ist berstend voll, so dass wir froh sind, 5qm freier Stehfläche zu bekommen. Sehr nahe an der Bühne und im Friteusengeruch, der aus der Küche herüberweht. Zu meiner positiven Überraschung spielt dieses Jahr nicht (wie sonst immer und das seit mindestens 10 Jahren) die lokale Langweilerband, deren Mitglieder 2 oder 3 Mal im Jahr ihr bürgerliches Dasein verlassen, um das zu spielen, was Hitradio Antenne-Egalwo immer als „Hits aus den 70ern, 80ern, 90ern und das Beste von heute“ präsentiert. Die Bandmitglieder scheinen alle um die 20 Jahre alt zu sein. Auffällig ist die Frontfrau, die nicht nur über eine wahnsinnige Stimme und ein sehr gutes Gitarrenspiel verfügt, sondern die dermaßen Hummeln im Arsch zu haben scheint, dass reihum ein anerkennendes Kopfnicken beim Zuprosten zur Pose des Abends wird. Man erzählt uns, dass sie auf der Pop-Akademie in Mannheim studiert. Vor allem wegen ihr bekommen wir wunderbare Coverversionen von Nummern der Lemonheads, Chilli Peppers und Nirvana in unsere Gesichter geschleudert. Einige Titel, die das Hitradio auch spielt, und um die man auf dem Lande offenbar nicht herumkommt, stören nicht. Gewünscht hätte ich mir jedoch ein paar selbst geschriebene Nummern von dieser Rampensau. Auf der Fläche vor der Bühne, vorhin noch der schlechteste Platz wegen des Friteusengeruchs, tummeln sich ab dem zweiten Set der Band auffallend viele lokale Rockgrößen vergangener Tage, die die Qualität der Combo würdigen. Der Ex-Schlagzeuger von Barcley’s Bluesfriends zum Beispiel, ein paar versprengte Ex-Mitglieder von Mental Age und die Jungs von Clark 9 extended: die aktuelle Besetzung, sich im mittlerweile biblischen Alter befindliche Ex-Groupies sowie C9 Managerlegende Gunner. Uns arrogante Säcke begeistert zu haben und uns nicht einmal im Traume daran denken zu lassen, ihnen die Instrumente aus den Händen zu reißen, um selbst auf die Bühne gehen und den Laden auf links zu ziehen (so ging es der anderen Band in den letzten Jahren regelmäßig), hat in den letzten Jahren niemand geschafft. Ted sagt „Danke“. UPDATE: da in den Kommentaren das Thema "Messagetwister" eine Rolle spielt, habe ich als Bild vorübergehend Elvis Pressluft im Einsatz genommen.

Sonntag, 16. Dezember 2007

Rampensau #5: Evil Tedpoles



Die Wurzeln der Band liegen auf der Straße. Genauer gesagt in einer Querstrasse in Pfalzgrafenweiler. Wo heute immer noch ein Blumengeschäft ist, wurde einst die erste Platte eingespielt (1987 „Here Comes Trouble“). Keule Nagy ist fast etwas verlegen als er auf die wilde Zeit der Band in der großen Rock ‘n Roll Glamourwelt angesprochen wird. Hier in Pfalzgrafenweiler ist er halt immer noch „unser Akos”. Aber: “Die Zeiten als die Band dutzendweise Hotelzimmer auf links gezogen hat sind vorbei, so was kommt nur noch zwei oder drei Mal pro Tour vor”, merkt Frontfrau Bunny Maja an, die als Hobbys schottischen Whiskey und David Lynch-Filme angibt. Markenzeichen der Band? Die hämmernde Gitarre von Marc Gunslinger, der bereits vier Akkorde pro Song für „elitäres Gehabe“ hält. Warum Schießbudenmann Ben Holch als Vorbild von Skandalrocker und Pamela Anderson’s Ex-Lover Tommy Lee gilt, merkt man nicht nur bei den gekonnten und obligaten Bierfontänen. Der Soundteppich dieser Band ist stinkig, grobmaschig und aggressiv. Die Böse-Buben-Posen von Keule Nagy werden die Laune des Publikums nicht gerade anheben. Die Tedpoles sind wie ein lästiger Anrufer, den man erst vermisst, wenn er sich nicht mehr meldet.

.de/sign #4: Musik aus der Tanksäule


Neulich mit Lisa auf der Autobahn: "Schau mal, hier gibt's iPods". Archetypisch-grafische Auffassungsgabe meiner Tochter oder Konsequenz der Tatsache, dass ich mittlerweile monatlich nicht einmal halb soviele Kilometer zurücklege wie vor 2 Jahren in einer Woche. Jedenfalls viel charmanter als die Formgebung des iPods in der Biografie von Jonathan Ive zu suchen, genauer in seinem Wirken als Gestalter von Badewannen.

Mittwoch, 31. Oktober 2007

SMiSsverständnisse # 1: Nivea


Heute startet meine neue Rubrik SMiSsverständnisse, die Kombination aus SMS und Missverständnissen. Wollte sie erst SMS-Poesie nennen; triffts aber nicht. Es geht - ähnlich wie beim sogenannten Butt-Call, den ausversehen getätigten Handytelefonaten, wenn das Handy in der Arschtasche (daher der Name) steckt - um komische, seltsame, lässige, abstruse oder (Ihr ahnt es) lasche SMS, die man so bekommt.

Inhalt:
"Schon wach? Hast Du auch Nivea?"

Absender:
Ein Bekannter (männlich), den ich in meinem Leben 2 Mal gesehen habe, das letzte Mal vor 2 Jahren.

Meine Gedanken:
Meint er vielleicht Niveau und ist sauer? Kennt er Frauen, die ich kenne? Ah, er hat eine nette Schwester, aber mit der habe ich keinen Kontakt.

Ted meint: die SMS sollte wohl an jemand anders geschickt werden.

Zurückgerufen: Nein

Dienstag, 30. Oktober 2007

Rampensau #4: Elektronik aus den GUS Staaten


Adrette Damen und freundliche Herren,

endlich (werden Sie sagen) melde ich mich wieder mit einer neuen Multi-Marketing-Level-Aktion. Nachdem unsere letzten Aktionen eine überwältigende Resonanz nach sich zogen - dafür möchte mich bei Ihnen, geliebte Geschäftspartnerinnen und Freunde bedanken - bin ich mir sicher, auch diesmal die richtige Ansprache gefunden zu haben.

Erlauben Sie mir die flapsige Bemerkung, aber dieses Angebot ist wirklich ein Hammer. Unsere Osteuropaspezialisten arbeiteten in den vergangenen Monaten rund um die Uhr, um einen Businessplan der besonderen Art aufzustellen. Seit wenigen Tagen sind die Verträge gemacht: von nun an arbeiten wir mit einer russischen Technologiefirma Hand in Hand. Unsere Allianz nennt sich medtech. Unsere gemeinsame Dienstleistung für den osteuropäischen Wirtschaftsraum sieht folgendermaßen aus. Wir verbinden die technologische Expertise mit unserem Werbe- und Marketingknow how.

Konkret geht es darum, ein völlig innovatives HiFi-Gerät auf den Markt zu bringen. Sämtliche technischen Features wie slow-eject, problemloses Handling und weitere Finessen bürgen für die Qualität. Über ein Panel wird es zudem möglich sein, direkt ins Internet zu gelangen. Und jetzt kommt der Clou: das alles geschieht via Satellit und einem einzigartigen Microchip,
der ursprünglich als GPS-System für einen großen Hersteller aus der Europäischen Automobilindustrie entwickelt wurde.

Nun zu meinem konkreten und einzigartigen Angebot: Es ist natürlich klar, dass ein solches Projekt nicht von heute auf morgen realisiert werden kann. Es bedarf neben dem Produkt selbst weiterer Komponenten, von denen ich die Bereiche Marketing und Werbung persönlich übernehme.

Liebste Freunde und Partnerinnen: Bezahlen Sie noch heute einen Betrag zwischen 2.ooo.- Euro und 10.ooo Euro und sichern Sie sich im Gegenzug Aktien dieser noch zu gründenden Aktiengesellschaft. Ein unabhängiger Anlageberater aus Pirmasens meint dazu ganz spontan: "Wer da nicht mitmacht, ist selber Schuld.".

Ihr lieber Mike XXX

Sonntag, 28. Oktober 2007

Schreiende Stille #4: Suche 2114


Fast niemand ist solange in den vierstelligen Zahlen am Start wie ich. Schon 1995 – als praktisch alle auf dreistellige Zahlen abfuhren, Sie erinnern sich sicherlich an den Hype – haben MC Joe und ich uns voll auf die eigenwilligen und faszinierenden Viersteller spezialisiert. Staccato-artig warfen wir uns gegenseitig die Zahlen an den Kopf, von denen wir schon gehört hatten. Es gab Abende, an denen wir über nichts anderes sprachen und gerade gegenüber den weiblichen Gästen auch gerne aufschnitten. Unsere Leidenschaft äußerte sich zudem durch das zur Schaustellen unserer elitären Haltung durch unser avantgardistisches Äußeres. Strickjacken, Halbschuhe und abgewetzte Kordhosen.

Wir beendeten Freundschaften mit den kulturlosen Banausen, die sich mit einer 204 begnügten, pah, ja sogar damit angaben. Bis heute haben vierstellige Zahlen eine magische Anziehungskraft auf mich, wann immer sie mir über den Weg laufen. Meine Leidenschaft packte mich als ich im Juni 1995 das erste Mal eine 9875 zu Gesicht bekam, wo das genau war weiß ich nicht einmal mehr. Aus heutiger Sicht nichts Besonderes, aber damals fühlte ich eine große Genugtuung, die freilich schnell wieder verging. Denn ich wollte mehr und MC Joe ging es, glaube ich, genauso.

Rastlos auf der Suche nach der königlichsten aller Zahlen: 2114! In Worten zwei-eins-eins-vier! Wenn überhaupt nur zu vergleichen mit einer 1535. Wie gesagt, wenn überhaupt. Die 2114 raubte mir zahllose Nächte und hielt mich jahrelang außer Atem. Immer wenn ich mich kurz vor dem Ziel wähnte, entpuppten sich die vermeintlichen 2114er als penetrante 8678, morbide 9782 oder allgemein völlig überschätzte 2208. Ich kann verstehen, dass die Liebhaber von Dreistellern nicht nachvollziehen können, wie sehr MC Joe und ich alles daran setzten, nur einmal im Leben eine 2114 zu besitzen. Selbst durch das aufkommende Internet – so unsere Hoffnung damals – wurde es nicht einfacher, nein, es war ausweglos. Meine Freunde machten sich große Sorgen und brachten mir immer wieder dreistellige Zahlen mit. Mal eine 876 oder einen 635 (die einzige männliche Zahl im dreistelligen Bereich). Nette Gesten, die aber doch von Unverständnis zeugten. Ich bedankte mich artig, in meinem Inneren wurde ich jedoch zerfressen. Der Wettkampf gegen MC Joe war längst einer großen Leere gewichen. Heute bin ich froh, dass ich niemals eine 2114 besaß und mit höchster Wahrscheinlichkeit dies auch immer so bleiben wird. Die Sehnsucht ist mein Antrieb geworden. Sie ist mir mittlerweile wichtiger als die Erfüllung vom Besitz einer 2114.

Samstag, 27. Oktober 2007

Rampensau #3: Video 2000 - Marketingtricks


Über die Jahre habe ich immer wieder gemeinsam mit Mike unseren Freundeskreis mit grotesken Marketing Spam-Mails "beglückt". Trotz des größtenteils absurden Inhalts war das Feedback fast null. Weder ein "haste se nich alle" noch ein "geiles Zeug". Seltsam. Ein Beispiel findet Ihr unten. Aufbau und Inhalt immer ähnlich - sehr hölzern-freundlich-übertriebene-selbstherrliche Ansprache, irgendwelche virtuellen Kollegenhelden und ein Top-Angebot, wo man nicht nein sagen kann. Wichtige Stilelemente sind die verschachtelten Sätze und das "Nicht-auf-den-Punkt-Kommen"; sowie der Running Gag des befreundeten Venture Capitalist aus Pirmasens . Lest selbst! Ach ja, um Mike etwas mehr Profil zu geben, gab es zusätzlich eine genauso abstruse Imagewerbung des Protagonisten Mike.

Sehr geehrte Herren, von mir angesprochene Dämchen,

Es ist mal wieder Zeit, dass ich mich an Sie, allesamt meine treusten Kunden und Kundinnen, wende. Nach einigen Monaten, die ich vor allem mit zahlreichen Reisen ins europäische und asiatische Ausland verbrachte, kann ich Ihnen - man muss fast schon sagen üblicherweise - mal wieder ein Angebot der Superlative unterbreiten.

Hat Sie auch schon das Fifa WM Fieber gepackt? Deutschland wird seinen Freunden aus aller Welt ein würdiger Gastgeber sein. Doch wo viel Licht, da auch viel Schatten. Die leidige Diskussion um die begehrten Eintrittskarten sind nur ein Beispiel. In einem persönlichen Gespräch, an dem neben einem Risikokapitalinvestor aus Pirmasens auch Rechtehändler Ekki Pilz und Mitglieder des nationalen Orgateams dabei waren, konnte ich mir persönlich ein Bild davon machen, dass Probleme gezielt gelöst werden. Seien Sie also beruhigt.

Sie kennen und schätzen mich wegen meines nicht zu bändigenden Optimismus. Aktionen wie unsere Anstrengungen in den ehemaligen GUS Staaten zum Thema "innovative Elektronik" oder die Taschenbuchaktion mit Til Bülling sollen erwähnt sein. Nochmals vielen Dank für Ihre damalige Unterstützung, die selbst meine kühnsten Erwartungen bei weitem übertraf. Ich sprach von Optimismus, aber auch von Problemen. Voller Stolz kann ich Ihnen folgenden Angebot exklusiv anbieten!!

Die Übertragungsrechte für bewegte Bilder liegen ausschließlich bei der zentralen Vermarktungsgesellschaft der Fifa. Dies hat zur Folge, dass Sie als Besucher der Spiele keine Videosequenzen aufnehmen dürfen. Im Klartext heißt dies: alle Digitalkameras und Fotohandys mit Filmfunktion dürfen nicht in den Stadioninnenraum mit gebracht werden.

Ich aber entdeckte ein juristisches Schlupfloch, welches allen Fußball- und Videoenthusiasten den Spaß an der schönsten Nebensache der Welt nicht verderben wird. Das Format "Video 2000" ist von dieser Exklusivitätsregelung nicht betroffen.
Diese Unachtsamkeit des OKs machten sich die Entwickler von MEDATech zum gewinnbringenden Vorteil. Aufwendige Prototypen wurden in China gebaut und innerhalb weniger Monate zur Marktreife weiterentwickelt. JA! Sensationell! Wir haben eine limitierte Anzahl an Video 2000 Kameras im heute üblichen Pocketformat exklusiv für Sie produziert, meine Herren und geliebte Dämchen, die wir Ihnen gegen eine Pfandgebühr von lediglich 2000 Euro pro Unit* ausleihen. Das eingebaute Filmtracking Feature "Medi 2.0" ermöglicht es Ihnen und uns die Dauer der Videosequenzen zu berechnen, die Grundlage für die Gebührenberechnung darstellen werden. Pro Minute gehen unsere Experten aus Pirmasens, allesamt alte Hasen im TV Geschäft, von einem Betrag von 2 Euro aus.

Antworten Sie einfach mit "Video 2000 - Sport ist das Größte" und das tollste Ereignis der Welt macht Ihnen noch mehr Spaß!

Mit weltmeisterlichen Grüßen,

Ihr lieber Mike XXX

Montag, 15. Oktober 2007

Ted 2.0 #2: Meine kleine Spargiraffe

Von Lisa im November 2006 (6 Jahre)

Es war einmal eine Spargiraffe
Die hatte viele Freunde
Doch einmal nicht –
Da war die kleine Spargiraffe aber traurig.
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