Samstag, 29. Dezember 2007

Alltagsimpressionen #2: Oh Heimat




Nach genau 2 Stunden in meinem Heimatort wurde mir klar, warum es mich von dort mit 19 Jahren wegzog. Mein Parkieren war zwar nicht die reinste Wonne - den Führerschein hätte ich aber damit bestanden. Weder zweite Reihe noch vor einer Aus- oder Einfahrt.

UPDATE: TedBlog-User Denzy hat mir sein Bild zum Thema gemailt (siehe unteres Bild). Er hingegen gibt zu, tatsächlich im wildwest Style geparkt zu haben.

Dienstag, 25. Dezember 2007

.de/sign #5: Ade Subversion


Designer waren Ende der 70er Jahre aus meinen Augen betrachtet Exoten. Aber nach Meinung der Menschen in der Schwarzwälder Provinz immer noch besser (wenngleich nicht viel) als linksradikale Terroristen. Ja, auch die gab’s in einer Region, in der das Automobil, die Funkuhr, der Kupferstich und die Kehrwoche erfunden wurden. Die Designer waren ziemlich ok und meine Schulfreunde fanden es klasse, dass man diese Leute da duzen durfte, mit ihnen Tischtennisspielen und zusehen wie sie ihre "Bilder" malten. Neben Kunden – man erkannte Sie an den Anzügen – kamen immer wieder Freunde aus den angrenzenden Disziplinen Malerei, Bildhauerei und Architektur vorbei. Also alles sehr bohemian und etablierte Schaffer und Häuslebauer suchte man vergebens, maximal schaute mal ein Stahlstichgraveur vorbei.

Diese Note Subversion gab es bis in die 80er hinein. Design etablierte sich dann über die Jahre in diesem Mikrokosmos. Dies erkannte man an mehreren Aspekten: zum einen gewannen italienische und süddeutsche Sportwagen auf dem frog-Firmengelände die Oberhand gegenüber den rostlaubigen CV 2, R 4 und Audi 50 aus den 70ern. Und Ortsverbände zu den verschiedensten Themen klingelten immer öfters an der Haustür und fragten nach Geld- und Sachspenden für soziale Einrichtungen, Schulen oder Sportplätze (vorher waren es nur der Honigverkäufer, mein Freund Michael oder der Milchmann). Ende der 80er kam dann endgültig der Wandel in der gesellschaftlichen Hackordnung im beschaulichen Altensteig. Und für mich war es persönlich ein Schlag ins Gesicht, als ich folgende Annonce im lokalen Anzeigenblatt las: „Vermiete großzügige 3-Zimmerwohnung, gerne an Designer“. Ade Subversion...

Rampensau #6: Das Mädel mit Spunk



Wenn man im Schwarzwald eine Live-Band serviert bekommt, noch dazu in einem absoluten Mainstreamladen, der nur Erfolg hat, weil es im Ort keine Alternativen gibt, sind die Erwartungen nicht sehr hoch. Hmmh, vielleicht ist der Laden ja aber genau deshalb so erfolgreich, weil er eben mainstream ist. Jedenfalls tummeln sich hier Gruppierungen, die sich ansonsten in einer Stadt ab sagen wir mal 20.000 Einwohnern eisern aus dem Weg gehen würden. Die Jacky-Cola-Jungs am Tresen mit ihren schwarzen Lederhosen und schwarzen T-Shirts, auf deren Rückseite vor 20 Jahren wahrscheinlich die aktuelle Iron Maiden Tourdaten gestanden haben. Heute wären sie damals auch in der Rockfabrik gewesen an einem solchen Abend. Außer dem “drunken Clan” von Ex-Metallern finden sich ein Füllhorn von 80er-Popperfrisen, stone-washed Jeanstypen und die eine oder andere Schönheit vom Lande. Der Laden ist berstend voll, so dass wir froh sind, 5qm freier Stehfläche zu bekommen. Sehr nahe an der Bühne und im Friteusengeruch, der aus der Küche herüberweht. Zu meiner positiven Überraschung spielt dieses Jahr nicht (wie sonst immer und das seit mindestens 10 Jahren) die lokale Langweilerband, deren Mitglieder 2 oder 3 Mal im Jahr ihr bürgerliches Dasein verlassen, um das zu spielen, was Hitradio Antenne-Egalwo immer als „Hits aus den 70ern, 80ern, 90ern und das Beste von heute“ präsentiert. Die Bandmitglieder scheinen alle um die 20 Jahre alt zu sein. Auffällig ist die Frontfrau, die nicht nur über eine wahnsinnige Stimme und ein sehr gutes Gitarrenspiel verfügt, sondern die dermaßen Hummeln im Arsch zu haben scheint, dass reihum ein anerkennendes Kopfnicken beim Zuprosten zur Pose des Abends wird. Man erzählt uns, dass sie auf der Pop-Akademie in Mannheim studiert. Vor allem wegen ihr bekommen wir wunderbare Coverversionen von Nummern der Lemonheads, Chilli Peppers und Nirvana in unsere Gesichter geschleudert. Einige Titel, die das Hitradio auch spielt, und um die man auf dem Lande offenbar nicht herumkommt, stören nicht. Gewünscht hätte ich mir jedoch ein paar selbst geschriebene Nummern von dieser Rampensau. Auf der Fläche vor der Bühne, vorhin noch der schlechteste Platz wegen des Friteusengeruchs, tummeln sich ab dem zweiten Set der Band auffallend viele lokale Rockgrößen vergangener Tage, die die Qualität der Combo würdigen. Der Ex-Schlagzeuger von Barcley’s Bluesfriends zum Beispiel, ein paar versprengte Ex-Mitglieder von Mental Age und die Jungs von Clark 9 extended: die aktuelle Besetzung, sich im mittlerweile biblischen Alter befindliche Ex-Groupies sowie C9 Managerlegende Gunner. Uns arrogante Säcke begeistert zu haben und uns nicht einmal im Traume daran denken zu lassen, ihnen die Instrumente aus den Händen zu reißen, um selbst auf die Bühne gehen und den Laden auf links zu ziehen (so ging es der anderen Band in den letzten Jahren regelmäßig), hat in den letzten Jahren niemand geschafft. Ted sagt „Danke“. UPDATE: da in den Kommentaren das Thema "Messagetwister" eine Rolle spielt, habe ich als Bild vorübergehend Elvis Pressluft im Einsatz genommen.

Sonntag, 16. Dezember 2007

Rampensau #5: Evil Tedpoles



Die Wurzeln der Band liegen auf der Straße. Genauer gesagt in einer Querstrasse in Pfalzgrafenweiler. Wo heute immer noch ein Blumengeschäft ist, wurde einst die erste Platte eingespielt (1987 „Here Comes Trouble“). Keule Nagy ist fast etwas verlegen als er auf die wilde Zeit der Band in der großen Rock ‘n Roll Glamourwelt angesprochen wird. Hier in Pfalzgrafenweiler ist er halt immer noch „unser Akos”. Aber: “Die Zeiten als die Band dutzendweise Hotelzimmer auf links gezogen hat sind vorbei, so was kommt nur noch zwei oder drei Mal pro Tour vor”, merkt Frontfrau Bunny Maja an, die als Hobbys schottischen Whiskey und David Lynch-Filme angibt. Markenzeichen der Band? Die hämmernde Gitarre von Marc Gunslinger, der bereits vier Akkorde pro Song für „elitäres Gehabe“ hält. Warum Schießbudenmann Ben Holch als Vorbild von Skandalrocker und Pamela Anderson’s Ex-Lover Tommy Lee gilt, merkt man nicht nur bei den gekonnten und obligaten Bierfontänen. Der Soundteppich dieser Band ist stinkig, grobmaschig und aggressiv. Die Böse-Buben-Posen von Keule Nagy werden die Laune des Publikums nicht gerade anheben. Die Tedpoles sind wie ein lästiger Anrufer, den man erst vermisst, wenn er sich nicht mehr meldet.

.de/sign #4: Musik aus der Tanksäule


Neulich mit Lisa auf der Autobahn: "Schau mal, hier gibt's iPods". Archetypisch-grafische Auffassungsgabe meiner Tochter oder Konsequenz der Tatsache, dass ich mittlerweile monatlich nicht einmal halb soviele Kilometer zurücklege wie vor 2 Jahren in einer Woche. Jedenfalls viel charmanter als die Formgebung des iPods in der Biografie von Jonathan Ive zu suchen, genauer in seinem Wirken als Gestalter von Badewannen.